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Mai

Beruf und Schule? Wie sich die Theorie in der Praxis wiederfindet

Hey, ich bin Michelle, 20 Jahre alt und befinde mich seit August 2018 in der Berufsausbildung zur Steuerfachangestellten bei Lehnen & Partner.

Nachdem ich mich für die Ausbildung zur Steuerfachangestellten entschieden habe, hieß es nach 5 Monaten Freizeit wieder: zurück in die Schule, aber nicht Vollzeit. Die Ausbildung läuft im dualen System ab, das heißt, es wird zwischen Theorie in der Schule und praktischer Arbeit im Betrieb gewechselt, was auch einen gewissen Ausgleich schafft. 

Neben der Arbeit im Betrieb, findet  im 1. Lehrjahr an zwei Tagen in der Woche der Unterricht an der Berufsschule in Bitburg statt, jeweils montags und donnerstags. Während in den letzten Jahren die Klassen der Steuerfachangestellten relativ klein waren, ist unsere Klasse mit 21 Steuerfachangestellten, davon 6 Auszubildende von Lehnen & Partner, verhältnismäßig groß. Die Nebenfächer verbringt man außerdem mit den Auszubildenden der Rechtsanwaltsfachangestellten, die in diesem Lehrjahr zu siebt sind. Der Alltag der Berufsschule ist vergleichbar mit dem einer ganz normalen Schule. Du hast deinen Stundenplan mit deinen Fächern, schreibst Arbeiten in jedem Fach und hast natürlich auch deine Pausen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass du teilweise nicht mehr dieselben Fächer hast wie früher und die Ferien gestalten sich anders. Neben Religion, Sozialkunde und Deutsch, die du wahrscheinlich noch von früher kennst, hast du nun zusätzlich berufsbezogene Fächer, wie Rechnungswesen, Steuerlehre und BWVL, die du für deine Ausbildung als Steuerfachangestellter brauchst. 

Falls du noch keine Ahnung von „Soll und Haben“ hast, keine Sorge, Rechnungswesen wird dir da aushelfen. Du weißt nach kurzer Zeit schnell, wo du bestimmte Geschäftsvorfälle einzuordnen hast. Auch wer ein Kaufmann ist, wirst du früh erkennen können.

In Steuerlehre wirst du viele Fälle kennenlernen, in denen du entscheiden musst, ob der Unternehmer Steuern zahlen muss, oder vom  Finanzamt verschont bleibt. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass du beim Einkaufen für Lebensmittel weniger „Mehrwertsteuer“ bezahlst als zum Beispiel für Zahnpasta? Das wird dir dein Lehrer in diesem Fach zeigen.

BWVL steht für Betriebswirtschafts- und Volkslehre. Weißt du, was du machen musst, wenn du einen Locher bestellst und du beim Auspacken bemerkst, dass er nicht funktioniert? Klar, bei Amazon schickst du ihn einfach wieder zurück. Es gibt allerdings viel kompliziertere Fälle, die du hier auch zu bewältigen lernst.

Schulferien gibt es zwar nach wie vor, allerdings nicht mehr in der Luxusvariante, dass du dich währenddessen zu Hause oder im Urlaub erholen kannst, ohne etwas zu beachten, sondern der Besuch im Betrieb steht für diesen Zeitraum an. Du kannst das natürlich umgehen, indem du dir Urlaub nimmst, aber der reicht auch nicht für die ganzen Ferien.

Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr morgens und endet in der Regel um 15:15 Uhr, sofern nichts ausfällt. Ein Vorteil hat die Berufsschule auf jeden Fall: Hast du mindestens deine 6 Stunden Unterricht gehabt, kannst du danach entspannt nach Hause fahren, denn in den Betrieb musst du danach nicht mehr arbeiten gehen. Die Zeit kannst du dann nutzen, um gegebenenfalls den Unterrichtsstoff zu wiederholen, um vielleicht für eine anstehende Klausur zu lernen oder du nutzt die freie Zeit einfach zur Entspannung. Nach jeweils zwei Unterrichtsstunden gibt es eine Pause, je zwei kleine Pausen a 15 Minuten und eine große Mittagspause a 45 Minuten, in der man was essen gehen kann. Der Hausmeister bietet beispielsweise verschiedene Essmöglichkeiten an oder man bewegt sich ein bisschen und holt sich etwas im Kaufland. Ich fahre hin und wieder auch mit Freunden zu McDonalds, aber kalkuliere am besten ausreichend Zeit ein, eine Bestellung könnte sich auch verzögern.

Nach 8 Monaten der Ausbildung kann ich von meinen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, nichts Negatives berichten. Die Berufsschule bietet vor allem zum Einstieg ins Berufsleben eine gute Abwechslung und zudem auch die Möglichkeit sich mit anderen Steuerfachangestellten aus anderen Kanzleien  auszutauschen. 

Also keine Bange, 3 Jahre sind nicht lange und dir wird Schritt für Schritt das Wissen vermittelt, was du für deinen Ausbildungsberuf brauchst. Ich hoffe ich konnte es dir erleichtern, sich den Ablauf in der Berufsschule vorzustellen.

Liebe Grüße
Michelle